Love van Paul

Folge dem Faden

Das Kunsttagebuch

admin 3 Minuten





Ein geschenktes Skizzenbuch, eine Regel. Ein Tag, eine Seite, mehr nicht.

Kein Haiku, kein Anspruch, nur was mir entgegenfällt.

 Blüten aus einem Paket, ein Wortsuchrätsel, drei Kreise,

ein Rest Farbe.

 Es muss nicht gut aussehen, es ist der Tag, wie er sich anfühlt und ich mittendrin.

Wenn du magst, finde dein eigenes Format: ein Wort pro Tag, ein Satz, ein Lied. Nimm, was dir entgegenfällt.



**Wie es anfing**

Das Skizzenbuch, das ich zum Geburtstag geschenkt bekommen habe, lag ziemlich lange einfach rum. Kein Aquarellpapier und die Seiten lassen sich nicht herausreißen. Ich wusste nicht, was ich damit machen sollte. Irgendwann plötzlich die Idee. Ich wollte jeden Tag ein Haiku schreiben. Ich finde es schön, mir jeden Tag eine Aufgabe zu setzen. Das mit den Haikus habe ich nach einer Stunde aufgegeben. Zu schwierig für mich. Und ich habe losgelassen von dem Anspruch, dass in diesem Buch etwas Bestimmtes stattfinden soll, außer die eine Regel, die ich manchmal breche. Ein Tag, eine Seite. Und alles darf stattfinden.

In einer Zeit, in der die Tage in ihrer Ähnlichkeit an mir vorbeiziehen, ist dies das Fokussieren auf den Moment, das Lauschen auf das, was da ist. Ich bringe zu Papier, was mir entgegenkommt. In diesem Augenblick fühle ich mich mit mir in den Tag hinein. Dieser Akt des Mich-Hineinspürens schenkt dem Tag eine Bedeutung, die ich noch nicht fassen kann. Und daher auch nicht richtig erklären.

Nach den ersten Einträgen ist mir der Titel eingefallen: *Kunsttagebuch*. Sofort habe ich eine Rückwärtsrolle gemacht und mich geschämt: Das ist ja keine Kunst, die ich mache. Dann habe ich gedacht: Ja, aber es ist eben auch nicht nur Krickeln durch den Tag. Ich gebe dem, was ich hier mache, eine Bedeutung, die auch vom Titel getragen wird. Niemand muss sie mir zugestehen. Ich ermächtige mich selbst. Gerade in den letzten zwölf Monaten habe ich mein Leben manchmal als bedeutungslos empfunden, so maximal eingeschränkt, mit so wenig gefühlter Wirkmacht. Und dann sage ich jetzt: Ich mache ein Kunsttagebuch. Ich, die denkt, dass sie nicht malen kann. Und damit gebe ich nicht nur jedem Tag eine Bedeutung, ich gebe mir selbst eine. Das ist ein mich Erheben, eine Aufrichtung für mich selber.

Das Schönste ist, ich mag durch dieses Tagebuch blättern. Jeder Tag ist ein Ausdruck meines Lebens. Es zeigt sich eine Vielschichtigkeit, die ich im Alltag, in meinem begrenzten Universum vielleicht gar nicht wahrnehme.

Vielleicht ist dies eine Übung in Achtsamkeit.

 Ich glaube aber, es ist eine Übung in Anerkennung von mir und dem Leben in jedem Tag.