Wenn das Grummel kommt und bleiben will
Manchmal wache ich auf und das Grummel ist schon da. Ich schlafe nicht besonders gut, so brauche ich morgens immer eine kleine Weile, um im Tag anzukommen. Meistens gelingt das, wenn ich meinen ersten Kaffee getrunken oder meine Lieblingsmusik angemacht habe.
Aber es gibt Tage, da ist das Grummel gekommen, um zu bleiben. Ich spüre dann eine nicht definierbare Unruhe und grummelige Laune, körperliche Spannung und inneren Druck – manchmal ist es gar nicht richtig zu fassen. Vielleicht hat ein verblasster Traum seine Spuren hinterlassen, oder mir hängt irgendetwas anderes quer. Oft führt es jedenfalls dazu, dass ich mich auf nichts Schönes einlassen kann, weil mir die Geduld und die Ruhe fehlen.
Und dann mache ich manchmal Folgendes.
Ein Stift, ein Blatt
Ich nehme ein Blatt Papier und einen Stift – am besten in einer Farbe, die ich sehr gern mag, oder eben, je nach Laune, in einer, die ich überhaupt nicht leiden kann – und fange an, Linien zu zeichnen. Ohne nachzudenken. Aber – möglichst langsam.
Denn ich habe gemerkt, wie Anspannung mich unbewusst alles in einer Art hektischer Geschwindigkeit angehen lassen. Auch während ich zeichne, dauert es einige Momente, bis ich es in die bewusste Wahrnehmung hole: diesen verselbständigten Sympathikus-Zustand meines Nervensystems, dieses Gremlin in mir, diesen Motor, der von allein dreht. Wenn ich ihn dann bemerke und die Geschwindigkeit drossele, spüre ich, wie der Druck im Ein- und Ausatmen manchmal nachlässt. Manchmal dreht der Motor wieder auf, sobald ich die Aufmerksamkeit verliere. So ist es ein Spiel mit Achtsamkeit und Wahrnehmung und mit dem Automatismus. Und je langsamer ich den Stift die Linien ziehen lasse, umso mehr konzentriere ich mich bewusst auf meine Atmung, auf das Ein- und Ausströmen – egal wie flach es sich zeigt.
Manchmal male ich die Linien auch mit links. Als Rechtshänderin gibt mir das noch einmal einen zusätzlichen Impuls. Nichts läuft automatisch, meine Aufmerksamkeit muss mehr mitarbeiten – und das hält mich mehr im Jetzt.
Was dabei herauskommt, sind manchmal überhaupt keine schönen Bilder, manchmal nicht einmal das, was ich Bilder nennen würde. Das erste Bild dieser Reihe, das Querlinienbild, ist überhaupt nicht harmonisch. Ich habe einfach unwillkürlich Linien gezogen.
In diesen Momenten gibt es etwas, das den Druck manchmal ein kleines Stückchen löst.
Oft braucht es nicht nur ein Bild, sondern mehrere in Folge. In dieser Komposition aus Spannung, Atmen, Farbe, Bewegung, Fließen und Fühlen kann ich oft etwas von dem loslassen, was ich vielleicht nicht immer definieren kann, was sich aber als Grummel in mir festgesetzt hat.
Ich sitze gern am Fenster in meinem Sessel, habe dort meistens ein Notizbuch und einen Stift liegen. Hier zeige ich euch die Zeichnungen, die ich hintereinander weggemalt habe bis in mir eine Erleichterung spürbar war.
Es hilft natürlich auch bei Unruhe ohne Grummel.

## You don't have to be beautiful
Manchmal aber gibt es Momente, in denen ich wirklich schlecht gelaunt bin oder vielleicht sogar wütend – ungnädig mit mir selbst oder mit anderen. Dann braucht es etwas anderes. Dann startet manchmal eine ganze Reihe kraftvoller, hektischer Linien und Flächen, am liebsten mit ganz verschiedenen Stiften und Materialien. Ich versuche, so gut es meine Muskeln zulassen, Dampf abzulassen. In Wirklichkeit wünsche ich mir in solchen Momenten die Möglichkeit, um den Block zu laufen, eine Runde zu boxen oder im Wald herumzubrüllen.
Was da entsteht, sind wahrlich keine Schönheiten – aber oft Bilder, die ich trotzdem total gern mag. Ich erinnere mich genau an den Moment, in dem ich es gemalt habe, und an die Energie, die ich dabei ablassen konnte. Und gerade deshalb mag ich es.

*[Hier das bunte Bild einfügen

Mir tut das Ausagieren der Emotionen gut – und ihre Verwandlung dabei. Und es tut mir gut, Dinge zu machen, die absolut hässlich aussehen dürfen.
Wenn mich so ein Zustand abends überkommt, kann ich danach manchmal besser einschlafen.
Hier kommt eine Reihe einer Nacht, in der ich nicht schlafen konnte, weil ich so unter Druck stand. Als ich fertig war, konnte ich es hinter mir lassen und in meine Träume gleiten:
*[Hier die Nacht-Reihe einfügen – Reihenfolge: Kassette (bunt, wild), schwarze Blume, Striche wie ein Buch, Artischocke]*